Übertriebene Sauberkeit im Haushalt

Frau mit Putzmitteln
Die Wohnung muss nicht keimfrei sein
Foto: © J.Sommer

Kaum dass man als normaler Verbraucher mit diversen Medien wie zum Beispiel TV, Radio und Printmedien in Kontakt kommt, hört man auch die Werbeslogans zum Thema Sauberkeit und Reinheit: porentief soll sie sein, vollendet und pur - hygienisch rein eben. Was uns die Werbung der Putzmittelindustrie suggeriert sehen Wissenschaftler eher kritisch. Hygiene und Sauberkeit sind wichtig - bis zu einem gewissen Grad. Ab wann wird die Reinlichkeit zum Risikofaktor?

Wie Sauberkeit krank machen kann

Spätestens wenn das menschliche Immunsystem nicht mehr trainieren kann, wird es gefährlich. Keime sind ein wichtiger Bestandteil unserer ganz natürlichen Umwelt. Unser Körper braucht sie. Der Wahn, alles antibakteriell und 100%ig sauber zu halten, hat schon lange Einzug in stark industrialisierte Gesellschaften gehalten. Die Wäsche wird bei jedem Waschgang plötzlich mit Hygienespüler desinfiziert, die Toilette mit antibakteriellem Reiniger versehen und selbst die gewöhnliche Handseife soll die Hände sterilisieren.

Die Folge davon: Allergien nehmen zu, resistente Keime entwickeln sich, häufige Infekte stellen sich ein und die Umwelt wird durch zu aggressive Putzmittel unnötig stark belastet. Desinfektionsmittel haben in einem herkömmlichen Haushalt nichts zu suchen, es sei denn, es führen außergewöhnliche Umstände zur ihrer Notwendigkeit, wie etwa hochansteckende Magen-Darm-Infektionen.

Mit einem keimfreien Haushalt schaden wir uns selbst. Unser Immunsystem hat keine Herausforderungen mehr, es passt sich nicht mehr an. Allergien und Asthma-Erkrankungen können die Folge sein. Besonders Kinder sind von der übertriebenen Hygiene ihrer Eltern gefährdet, die es bloß gut meinen. Die Abwehr ihrer Kinder stärken hingegen Mütter und Väter, die es mit dem Reinheitszwang nicht übertreiben und für ihre Kinder die Nähe zu einem Haustier oder zum Beispiel Tieren auf einem Bauernhof ermöglichen. Dies bedeutet natürlich nicht, dass von nun an mangelnde Hygiene Standard sein sollte, auch sie kann und wird Krankheiten auslösen. Das gesunde Mittelmaß ist wie so oft die goldene Regel.

Tipps für einen sauberen aber nicht sterilen Haushalt

  • Waschen Sie sich regelmäßig, aber nicht permanent, die Hände. Verzichten Sie dabei auf antibakterielle Seifen. Sie zerstören nicht nur die krankheitserregenden Bakterien, sondern auch diejenigen, welche die Hautflora positiv beeinflussen und gesund sind. Zudem wird der Säureschutzmantel der Haut geschwächt.
  • Verzichten Sie auf aggressive Reinigungsmittel, auch im Bad. Verwenden Sie stattdessen einen simplen Essigreiniger, der die wichtigsten Krankheitserreger auch beseitigt.
  • Wischen Sie ab und an Ihren Kühlschrank und ebenso die Spüle aus. Auch hierfür reicht ein simpler Essigreiniger.
  • Absolut notwendig ist das häufige Wechseln der Wischlappen und Putztücher. Alternativ können Sie diese bei 95°C auch in die Kochwäsche geben. Dies tötet die meisten Erreger ab und verhindert so das Verbreiten dieser beim Saubermachen
  • Ebenso ist das routinemäßige Austauschen der Handtücher in Küche und Bad wichtig. Bei 60 oder 95°C waschen reicht vollkommen aus.
  • Bringen Sie regelmäßig den Müll runter und reinigen Sie ab und zu den Abfalleimer mit Essigreiniger.
  • Desinfektionsmittel im Haushalt sind nur in Ausnahmefällen notwendig!

Eine saubere Wohnung trägt zum "Wohlfühlcharakter" eines jeden Heimes bei und gehört ganz einfach zum Standard. Doch keimfrei sollte und muss sie wirklich nicht sein, denn übertriebene Hygiene ist nicht notwendig. Die Zeit, die man für das zusätzliche Putzen investiert, kann tatsächlich viel angenehmer und sinnvoller genutzt werden - und das Positive daran ist: Dabei wird auch noch die Gesundheit und die Umwelt geschont. Wichtig ist aber in jedem Fall die Hygiene in der Küche.
Text: C. D. / Stand: 08.11.2017