Bettwanzen - die wohl hässlichsten Urlaubssouvenirs

Kammerjäger zeigt Kundin Bettwanzen
Bettwanzen können sich in der ganzen Wohnung verbreiten
Foto: © Karin & Uwe Annas

Niemand mag die unliebsamen "Untermieter" in seinen vier Wänden. Und dennoch: immer wieder tauchen auch hierzulande Bettwanzen in den Wohnungen auf. Die beißenden Parasiten lassen sich nur mit großem Aufwand ermitteln und bekämpfen.

Bettwanzen erkennen - beißende Blutsauger

Sie wird Cimex lectularius, Bett- oder Hauswanze genannt und ist weltweit in der Nähe von Menschen oder anderen warmblütigen Lebewesen zu finden. Das Insekt fühlt sich wohl im Lebensraum der Menschen und ernährt sich von dessen Blut. Dafür beißen sich die Plattwanzen in der Haut fest und saugen sich in rund 10 Minuten bis auf das Siebenfache ihres Ausgangsgewichts fest. Anschließend fallen sie ab. Ausgewachsene Bettwanzen werden bis zu 8 mm groß, sind oval und besitzen eine rotbraune Farbe. Die Larven jedoch sind mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen, da sie sowohl nur 1 mm groß als auch transparent sind. In nur zwei Monaten schafft es ein einzelnes ausgewachsenes Weibchen auf 200 bis 500 Eier. Schnell wird so aus einem versehentlich eingeschleppten Tierchen eine handfeste Plage. Bettwanzen leben ca. sechs bis zwölf Monate und stehen im Verdacht, Krankheiten zu übertragen. Mehr zum Thema Ungeziefer bekämpfen

Bettwanzen als Weltenbummler

Trotz intensiver Bemühungen durch den Menschen, steigern Bettwanzen ihre Population weiter. Aufgrund der Globalisierung und dem umfangreichen Warenaustausch weltweit sind die Blutsauger auf jedem Kontinent zu finden. Oft schleppt man sich die "ungewollten Haustiere" nach einer Urlaubsreise oder einem Hotelaufenthalt im eigenen Gepäck mit ein. Ebenso wahrscheinlich ist die Verbreitung der Bettwanzen durch Sekond-Hand Waren wie Möbel, Teppiche oder Kleidungsstücke. Da die kleinen Biester mobil sind und auf Wanderschaft gehen, stellen Rohrleitungen, Kabelschächte oder Ritzen zum Nachbarn im Trockenbau für sie keinerlei Problem dar. Die winzigen Bettwanzen sind nur schwer zu erkennen und extrem hartnäckig in der Bekämpfung.

Typische Symptome bei Bettwanzen

Zumeist tritt der Verdacht auf Bettwanzen auf, weil die Bewohner über ungewöhnliche Stiche auf der Haut klagen. Streng betrachtet sind es jedoch Bisse, die oftmals in einer Reihe liegen - die sogenannte Wanzenstraße. Meist suchen sich Bettwanzen unbedeckte Körperstellen wie Gesicht, Nacken, Hals, Hände und Beine für ihre Mahlzeit aus. Die Bisse treten nach dem Schlafen auf und jucken recht häufig für einige Wochen. Verantwortlich dafür ist das Sekret der Wanze, welche gegen die Blutgerinnung sowie zur Betäubung von den Tieren eingesetzt wird. Reagieren Betroffene allergisch auf den Speichel der Bettwanze, können mitunter Rötungen oder Quaddeln sichtbar werden bzw. Sehstörungen eintreten. Eine Entzündung durch Bakterien an der verletzten Haut ist ebenfalls nicht auszuschließen. Als weiteres Indiz für Bettwanzen gelten kleine Blutflecken, die durch die verzögerte Blutgerinnung entstehen. Hinzu kommen die Kotspuren der Flachwanzen, die als kleinste 0,5 bis 1 mm große schwarze Krümel unter der Matratze oder auf den Laufwegen der Wanzen erkennbar werden. Experten weisen darauf hin, dass der spezielle süßlich-unangenehme Geruch der beste Hinweis auf die Plagegeister ist. Zur Abwehr von Feinden sowie zur Fortpflanzung scheiden die Bettwanzen ein öliges Sekret aus einer Stinkdrüse aus. Da die Bettwanze auf ihrem Weg zum ausgewachsenen Tier 5 Larvenstadien durchschreitet, häutet sie sich entsprechend oft. Die fast farblosen Rückstände der Haut befinden sich gern in der Nähe ihrer Nester. Auch dies gilt als Indiz für einen Befall der Wohnung durch Bettwanzen.

Bettwanzen bekämpfen

Haben es sich die Parasiten erst einmal in der Wohnung bequem gemacht, bekommt man sie nur schwerlich wieder los. In der Regel wird professionelle Hilfe durch einen erfahrenen Kammerjäger notwendig. Bei einem Bettwanzenbefall muss zum einen der Vermieter informiert werden. Außerdem sollte eine genaue Bestandsaufnahme stattfinden. Bettwanzen verstecken sich an den eigenartigsten Stellen und lassen sich kaum überall auffinden. Mögliche Orte für Bettwanzennester sind etwa: jegliche Textilien wie Matratzen, Decken, Kissen (auch in den Reißverschlüssen), Sofaritzen, sowie in Fensterrahmen, Lichtschaltern und Steckdosen, Jalousiekästen aber auch hinter Wandvertäfelungen, Tapeten, in Türrahmen und Büchern. Sogar in winzigsten Löchern, wie etwa einem Nagelloch in der Wand, kommen die Biester unter. Am besten wird die Matratze sofort entsorgt und das Bett komplett demontiert. Bettwanzen verkriechen sich zu gern in den kleinsten Ritzen des Bettgestells. Alles muss aufs Gründlichste mit dem Staubsauger gereinigt werden, auch Dielenfugen, Scheuerleisten usw. Bettwäsche und andere Textilien transportiert man am besten in einer Plastiktüte zur Waschmaschine und wäscht sie bei 60°C. Darüber hinaus bleiben kleinere Gegenstände über Nacht in der Tiefkühltruhe. Sämtliche Teppichbeläge, Polster etc. werden mit einer mindestens 70°C heißen Dampfreinigung wirksam gegen Bettwanzen behandelt. Auch der Schlafplatz von Haustieren ist in der Regel befallen. Sollten sich dennoch die Wanzen nicht endgültig aus der Wohnung vertreiben lassen, hilft nur noch ein erfahrener Kammerjäger. Mittels Insektiziden und teils durch Wärmeanwendung kann den hartnäckigen Plagegeistern der Garaus gemacht werden. Dafür erhitzen die Profis den Raum für knapp zwei Tage auf 55°C, was wiederum zum Absterben der Bettwanzen führt. Diese Methode bevorzugen viele Kammerjäger, da Bettwanzen oftmals Resistenzen gegenüber den gängigen Insektiziden entwickeln konnten.
Text: C. D. / Stand: 08.11.2017