Wer seinen Kühlschrank richtig einräumt, hält Lebensmittel deutlich länger frisch – und wirft am Ende weniger weg. Denn in einem Kühlschrank herrschen nicht überall die gleichen Temperaturen. Die kalte Luft sinkt nach unten, während es oben und in der Tür mehrere Grad wärmer ist. Nutzt man diese Temperaturzonen gezielt, lagert jedes Lebensmittel dort, wo es am längsten hält. Klingt nach einer Kleinigkeit, macht aber einen echten Unterschied: Fleisch, das im wärmsten Fach liegt, verdirbt deutlich schneller. Käse, der neben dem Gemüse landet, kann es mit Fremdgerüchen beeinflussen. Und Milch in der Kühlschranktür ist ständig Temperaturschwankungen ausgesetzt, weil die Tür beim Öffnen als Erstes warm wird.

Die richtige Temperatur einstellen

Bevor es ans Einräumen geht, sollte die Grundtemperatur stimmen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt, leicht verderbliche Lebensmittel möglichst bei unter 5 °C zu lagern. In der Praxis hat sich für den mittleren Bereich des Kühlschranks eine Einstellung von 5 bis 7 °C bewährt – das empfehlen auch die Verbraucherzentralen. Viele Kühlschränke sind allerdings wärmer eingestellt als gedacht. Eine Erhebung des Max Rubner-Instituts ergab, dass die Durchschnittstemperatur in deutschen Haushaltskühlschränken bei 6,6 °C liegt – und bei rund 6 Prozent der untersuchten Geräte sogar über 10 °C. Wer kein eingebautes Thermometer hat, kann sich für wenige Euro ein Kühlschrankthermometer besorgen und ins mittlere Fach legen. So lässt sich die tatsächliche Temperatur leicht überprüfen.

Gut zu wissen: Jedes Grad weniger kostet rund 6 Prozent mehr Strom. Es lohnt sich also nicht, den Kühlschrank kälter einzustellen als nötig. 7 °C in der Mitte reicht für die meisten Haushalte aus. Wer regelmäßig rohes Fleisch oder frischen Fisch lagert, fährt mit 5 °C auf der sicheren Seite.

Drehregler richtig deuten: Bei Kühlschränken mit Drehrad (Stufen 1 bis 5 oder 1 bis 7) gilt: Je höher die Zahl, desto kälter. Stufe 2 bis 3 ergibt bei den meisten Geräten etwa 5 bis 7 °C im mittleren Bereich. Die genaue Temperatur kann je nach Modell variieren – auch hier hilft das Thermometer.

Welches Lebensmittel gehört in welches Fach?

Ein durchschnittlicher Kühlschrank hat vier Bereiche mit unterschiedlichen Temperaturen: das Gemüsefach ganz unten, die untere Ablage direkt über der Glasplatte, die mittlere Ablage und das obere Fach. Dazu kommen die Ablagefächer in der Tür.

  • Gemüsefach (ca. 8 bis 10 °C)
    Obwohl es ganz unten liegt, ist das Gemüsefach nicht der kälteste Bereich. Die Glasplatte darüber schirmt die kalte Luft ab und hält gleichzeitig die Feuchtigkeit im Fach – gute Bedingungen für Salat, Gurken, Karotten, Paprika, Kräuter und die meisten Gemüsesorten. Auch Beeren, Kirschen, Weintrauben und anderes heimisches Obst sind hier gut aufgehoben.
    Obst und Gemüse möglichst trennen: Viele Obstsorten – vor allem Äpfel, Birnen und Steinobst – geben das Reifegas Ethylen ab. Es beschleunigt den Reifungsprozess von Gemüse in der Nähe: Gurken werden schneller weich, Brokkoli vergilbt, Kohl wird gelb. Wer zwei Schubladen im Gemüsefach hat, nutzt eine für Obst und die andere für Gemüse. Alternativ hilft es, Obst in einem geschlossenen Behälter aufzubewahren – das hält das Ethylen zurück.
  • Untere Ablage (ca. 2 bis 3 °C)
    Direkt über der Glasplatte des Gemüsefachs ist es am kältesten. Hierhin gehören alle leicht verderblichen Lebensmittel: frisches Fleisch, Hackfleisch, roher Fisch und frische Wurst vom Metzger. Auch Räucherfisch und mariniertes Fleisch sind auf dieser Ablage gut aufgehoben. Achten Sie darauf, Fleisch und Fisch immer gut verpackt oder in einer geschlossenen Dose zu lagern. So kann kein Fleischsaft auf andere Lebensmittel tropfen – das ist nicht nur unappetitlich, sondern auch ein Hygienerisiko, weil rohes Fleisch Keime wie Salmonellen oder Campylobacter enthalten kann.
  • Mittlere Ablage (ca. 5 bis 7 °C)
    Das mittlere Fach ist der Allrounder. Hier herrschen die Temperaturen, die für die meisten Milchprodukte passen: Joghurt, Quark, Sahne, Frischkäse und offene Milch. Auch Reste vom Kochen, die innerhalb von ein bis zwei Tagen aufgegessen werden sollen, sind hier richtig. Füllen Sie Reste in verschließbare Behälter um – das hält den Geschmack und verhindert, dass sich Gerüche im Kühlschrank ausbreiten.
  • Obere Ablage (ca. 8 bis 10 °C)
    Im obersten Fach ist es am wärmsten. Hier lagern Lebensmittel, die zwar gekühlt, aber nicht eiskalt sein müssen: Käse, Butter, geöffnete Marmelade, Senf, Dressings und Feinkost. Butter bleibt auf der oberen Ablage angenehm streichfähig – auf der unteren Ablage wird sie dagegen steinhart. Auch selbst zubereitete Speisen, die bereits abgekühlt sind und innerhalb weniger Tage gegessen werden, können hier ihren Platz finden.
  • Türfächer (ca. 8 bis 12 °C)
    Die Tür ist der wärmste Bereich des Kühlschranks, weil sie bei jedem Öffnen als Erstes der Raumluft ausgesetzt ist. Deshalb gehören hierhin keine empfindlichen Lebensmittel. Gut geeignet sind Getränke, Ketchup, Sojasauce, Tuben und Flaschen, die ohnehin robust sind. Eier können ebenfalls in der Tür gelagert werden – sie sind weniger temperaturempfindlich, als viele denken.
    Milch gehört nicht in die Tür: Auch wenn viele Kühlschränke dort eine passende Ablage haben, ist die Tür kein guter Platz für Milch. Die ständigen Temperaturschwankungen durch das Öffnen und Schließen verkürzen die Haltbarkeit. Besser: Milch auf die mittlere Ablage stellen.
Den Kühlschrank richtig einräumen
Diese Grafik zeigt was wo in den Kühlschrank kommt - Bild mit Hilfe einer KI erstellt

Welche Lebensmittel nicht in den Kühlschrank gehören

Nicht alles, was frisch eingekauft wird, muss in den Kühlschrank. Einige Lebensmittel verlieren dort sogar Geschmack oder Qualität:

  • Tomaten büßen im Kühlschrank ihr Aroma ein, weil die Kälte den Reifungsprozess stoppt und die Aromastoffe abbaut. Außerdem geben sie Ethylen ab und sollten deshalb auch nicht neben Gemüse gelagert werden. Am besten stehen Tomaten bei Zimmertemperatur und getrennt von anderem Obst und Gemüse.
  • Bananen werden im Kühlschrank schnell braun. Die Kälte schadet der Schale, das Fruchtfleisch leidet. Bananen lagert man am besten bei Zimmertemperatur, möglichst hängend, damit sie keine Druckstellen bekommen.
  • Kartoffeln gehören in einen kühlen, dunklen und trockenen Ort – aber nicht in den Kühlschrank. Bei Temperaturen unter 4 °C wandelt sich die Stärke in den Kartoffeln in Zucker um, was den Geschmack verändert.
  • Zwiebeln und Knoblauch brauchen eine trockene Umgebung. Im Kühlschrank werden sie durch die Feuchtigkeit schnell weich und fangen an zu schimmeln. Ein luftiger Korb oder ein Netz im Vorratsregal reicht aus.
  • Brot trocknet im Kühlschrank schneller aus als bei Zimmertemperatur. Wer Brot länger haltbar machen möchte, friert es besser in Scheiben ein.
  • Honig kristallisiert im Kühlschrank schneller als nötig. Er ist bei Zimmertemperatur praktisch unbegrenzt haltbar.

Ordnung halten und weniger wegwerfen

Ein aufgeräumter Kühlschrank ist nicht nur übersichtlicher, sondern spart auch Geld. Denn was man nicht sieht, vergisst man – und was man vergisst, wandert irgendwann in den Müll. In Deutschland landen pro Kopf und Jahr rund 78 Kilogramm Lebensmittel im Abfall, ein Großteil davon wäre vermeidbar.

  • Älteres nach vorn: Das einfachste Prinzip für weniger Verschwendung: Neue Einkäufe hinter die älteren Produkte stellen. So greifen Sie automatisch zuerst zu den Lebensmitteln, die als Nächstes ablaufen. Supermärkte machen das genauso – und es funktioniert auch im heimischen Kühlschrank.
  • Durchsichtige Behälter nutzen: Reste in Töpfen mit Deckel verschwinden optisch im Kühlschrank. In durchsichtigen Dosen oder Gläsern sehen Sie sofort, was noch da ist. Das gilt auch für angebrochene Packungen: Umfüllen in ein Glas oder eine Dose schützt den Inhalt und schafft Überblick.
  • Einmal pro Woche durchsehen: Nehmen Sie sich einmal wöchentlich fünf Minuten, um den Kühlschrank durchzugehen – am besten vor dem Einkauf. Was muss noch verbraucht werden? Was kann weg? So planen Sie den Einkauf gezielter und kaufen nicht doppelt ein.
  • Den Kühlschrank nicht überfüllen: Wenn die Luft nicht mehr richtig zirkulieren kann, entstehen warme Stellen und die Kühlung funktioniert ungleichmäßig. Ein gewisser Abstand zwischen den Lebensmitteln sorgt dafür, dass die kalte Luft alle Bereiche erreicht.

Reste richtig verstauen:
Lassen Sie warme Speisen vor dem Einräumen auf Zimmertemperatur abkühlen. Warmes Essen im Kühlschrank erhöht die Innentemperatur und lässt das Gerät unnötig viel Strom verbrauchen. In flachen Behältern kühlen Reste schneller durch als in hohen Töpfen.

Sonderfälle: Frischezone und No-Frost-Kühlschränke

Neuere Kühlschränke verfügen oft über eine sogenannte Frischezone (auch BioFresh, VitaFresh, PerfectFresh oder LongFresh genannt – je nach Hersteller). Dieses Fach hält Temperaturen knapp über 0 °C und eine regulierte Luftfeuchtigkeit. Lebensmittel wie Fisch, Fleisch, Beeren und empfindliches Gemüse halten dort deutlich länger als in den normalen Fächern. Wer ein solches Fach hat, sollte es für die empfindlichsten Lebensmittel nutzen – und dafür die unterste normale Ablage für Milchprodukte oder Aufschnitt freimachen. No-Frost-Geräte verhindern die Bildung von Eiskristallen im Innenraum und müssen deshalb nicht regelmäßig abgetaut werden. Der Nachteil: Die Luft in diesen Geräten ist trockener. Gemüse und Salat sollten hier besonders gut verpackt oder in feuchten Tüchern eingeschlagen werden, damit sie nicht austrocknen.
Aber auch bei NoFrost-Geräten sollte man regelmäßig den Gefrierbereich reinigen.

Hygiene im Kühlschrank

Neben dem richtigen Einräumen gehört auch regelmäßige Sauberkeit zur Kühlschrankpflege. Verschüttete Flüssigkeiten, tropfender Fleischsaft oder vergessene Reste können Keime und unangenehme Gerüche verbreiten. Wischen Sie den Kühlschrank alle vier bis sechs Wochen mit warmem Wasser und einem Schuss Essig oder etwas Spülmittel aus. Vergessen Sie dabei die Dichtungsgummis nicht – in den Falten sammelt sich gern Schmutz. Abnehmbare Einlegeböden und Schubladen lassen sich in der Spüle bequem reinigen. Weitere Tipps dazu finden Sie in unserem Artikel zum Kühlschrank reinigen.
Bildet sich eine Eisschicht im Inneren, erhöht das den Stromverbrauch und verringert die Kühlleistung. Ältere Geräte ohne No-Frost-Funktion sollten Sie deshalb ein- bis zweimal im Jahr abtauen. Und wenn Ihnen beim Öffnen ein unangenehmer Geruch aus dem Kühlschrank entgegenschlägt, ist es höchste Zeit für eine gründliche Reinigung. Weitere Tipps und Infos für den Kühlschrank