Fett- und Ölflecken auf der Kleidung, eingetrockneter Kaugummi auf dem Teppich oder Aufkleberreste auf Glas – manche Verschmutzungen lassen sich mit herkömmlichen Reinigungsmitteln kaum entfernen. Genau hier kommt Waschbenzin ins Spiel: ein Lösungsmittel, das selbst hartnäckige Flecken zuverlässig löst, ohne die meisten Oberflächen anzugreifen. Allerdings ist Waschbenzin kein harmloses Hausmittel. Es ist leicht entzündlich, die Dämpfe können der Gesundheit schaden, und es belastet die Umwelt. Wir erklären, wann sich der Einsatz lohnt, wie Sie Waschbenzin richtig anwenden und welche Alternativen es gibt.
Was ist Waschbenzin?
Waschbenzin ist ein farbloses, leicht entzündliches Lösungsmittel auf Erdölbasis. Es gehört zur Gruppe der Leichtbenzine und besteht aus einem Gemisch verschiedener Kohlenwasserstoffe. Im Handel begegnen Ihnen häufig auch die Bezeichnungen Reinigungsbenzin, Testbenzin, Siedegrenzbenzin, Terpentinersatz oder White Spirit. Diese Begriffe werden oft gleichbedeutend verwendet, bezeichnen aber streng genommen Produkte mit leicht unterschiedlichen Siedebereichen.
Waschbenzin verdunstet schnell und hinterlässt dabei in der Regel keine sichtbaren Rückstände. Das macht es so praktisch für die Fleckenentfernung: Es löst Fette, Öle und viele organische Verschmutzungen, ohne das behandelte Material dauerhaft zu verändern. Bereits ausgehärtete Farben und Lacke werden dabei nicht angegriffen – ein Vorteil, den kaum ein anderes Lösungsmittel bietet.
Erhältlich ist Waschbenzin in Drogerien, Baumärkten, Apotheken und im Fachhandel, meist in Dosen oder Flaschen zu 500 ml oder einem Liter. Ein Liter kostet je nach Anbieter zwischen drei und sieben Euro. Gut verschlossen ist Waschbenzin über Jahre hinweg haltbar.
Wofür wird Waschbenzin verwendet?
In der Industrie dient Waschbenzin als Verdünnungs- und Lösungsmittel für Farben, Lacke, Klebstoffe und Holzschutzmittel. Auch zur Reinigung und Entfettung von Maschinenteilen wird es eingesetzt. Im Haushalt hat es sich vor allem als Fleckenentferner bewährt.
Fleckenarten, bei denen Waschbenzin besonders gut wirkt
Waschbenzin eignet sich hervorragend, um fett- und ölbasierte Verschmutzungen zu entfernen. Dazu zählen Speiseölflecken, Motoröl, Schmieröl, Teer und Fahrradkettenöl – also all die Flecken, an denen normales Waschmittel oft scheitert. Auch Farbflecken von Filzstiften, Kugelschreibern und Tinte lassen sich mit Waschbenzin anlösen. Ebenso hilfreich ist es bei Lippenstiftflecken, Kragenschmutz, Wachsresten (nachdem das Wachs zuvor durch Einfrieren und Abkratzen grob entfernt wurde), Harzflecken, Kaugummi-Rückständen und hartnäckigen Aufkleberresten auf glatten Oberflächen.
Geeignete Oberflächen und Materialien
Waschbenzin lässt sich auf vielen Materialien anwenden: auf Textilien, Teppichböden, Polsterstoffen, Metall, Glas, Keramik, Fliesen und Gummi. Auch lackierte oder gestrichene Flächen können damit gereinigt werden, da es ausgehärtete Farben und Lacke nicht anlöst. Für die Reinigung von Kunststoff-Fensterrahmen hat es sich ebenfalls bewährt.
Vorsicht bei empfindlichen Kunststoffen:
Manche Kunststoffe (etwa Polystyrol oder bestimmte Acrylgläser) können durch Waschbenzin angelöst oder trüb werden. Testen Sie die Verträglichkeit immer zuerst an einer unauffälligen Stelle.
Waschbenzin richtig anwenden: Schritt für Schritt
Damit Waschbenzin seine Wirkung entfaltet und gleichzeitig keine Schäden anrichtet, kommt es auf die richtige Vorgehensweise an.
Flecken auf Kleidung und Textilien entfernen
Geben Sie eine kleine Menge Waschbenzin auf ein sauberes, helles Tuch und betupfen Sie den Fleck damit. Reiben Sie nicht zu fest, damit sich die Verschmutzung nicht tiefer in die Fasern arbeitet. Lassen Sie das Waschbenzin einige Minuten einwirken und waschen Sie das Kleidungsstück anschließend ganz normal in der Waschmaschine. Der typische Benzingeruch, der beim Öffnen der Maschine in die Nase steigt, verfliegt nach dem Trocknen vollständig.
Wichtig: Verwenden Sie immer nur wenige Tropfen – das Textilstück soll nicht durchtränkt werden. Testen Sie vorher an einer verdeckten Stelle (etwa an der Nahtinnenseite), ob der Stoff farbecht bleibt. Das gilt besonders für empfindliche oder farbintensive Gewebe.
Flecken auf Teppich und Polstermöbeln behandeln
Tränken Sie ein sauberes Tuch großzügig mit Waschbenzin und tupfen Sie den Fleck von außen nach innen ab. So verhindern Sie, dass sich der Fleck vergrößert. Saugen Sie die gelösten Rückstände mit einem trockenen, sauberen Tuch auf. Bei Bedarf wiederholen Sie den Vorgang. Sorgen Sie während und nach der Behandlung unbedingt für gute Belüftung, da die Dämpfe sich in Bodennähe sammeln können.
Aufkleberreste und Klebstoff entfernen
Aufkleber auf Glas, Metall oder Keramik lassen sich oft leichter entfernen, wenn man sie vorher mit einem Föhn erwärmt. Die nach dem Abziehen verbleibenden Klebstoffreste reiben Sie anschließend mit einem in Waschbenzin getränkten Tuch ab. Die Rückstände lösen sich in der Regel schnell und rückstandsfrei.
Gummidichtungen und Metallteile reinigen
Gummidichtungen von Kühlschrank, Waschmaschine oder Spülmaschine lassen sich mit Waschbenzin gut von Fett und Schmutz befreien. Auch angelaufene oder verschmutzte Metallteile werden mit einem getränkten Lappen wieder sauber. Waschbenzin greift weder Gummi noch Metall an.
Sicherheitshinweise: Das müssen Sie unbedingt beachten
Waschbenzin ist kein harmloses Putzmittel. Es ist ein Gefahrstoff, der nach der CLP-Verordnung mit mehreren Gefahrenpiktogrammen gekennzeichnet ist. Die wichtigsten Risiken im Überblick:
Leicht entzündlich (H225/H226): Waschbenzin und seine Dämpfe sind leicht entzündbar. Die Dämpfe sind schwerer als Luft und breiten sich am Boden aus. In der Nähe von offenen Flammen, Zigaretten, heißen Herdplatten oder Funkenquellen darf Waschbenzin nicht verwendet werden. Auch elektrische Geräte in unmittelbarer Nähe können ein Risiko darstellen.
Gesundheitsschädliche Dämpfe (H336): Das Einatmen der Dämpfe kann Kopfschmerzen, Schwindel, Benommenheit und Schläfrigkeit verursachen. Verwenden Sie Waschbenzin deshalb nur im Freien oder bei weit geöffneten Fenstern. In geschlossenen, schlecht belüfteten Räumen können sich gefährliche Konzentrationen aufbauen.
Aspirationsgefahr (H304): Wird Waschbenzin versehentlich verschluckt, kann es beim Erbrechen in die Lunge gelangen. Das kann eine lebensbedrohliche chemische Lungenentzündung (Aspirationspneumonie) auslösen.
Deshalb gilt: Bei Verschlucken kein Erbrechen herbeiführen und sofort den Notruf wählen. Halten Sie Waschbenzin stets außerhalb der Reichweite von Kindern und füllen Sie es niemals in Getränkeflaschen oder andere Lebensmittelbehälter um.
Hautreizend (H315): Bei längerem oder wiederholtem Hautkontakt entfettet Waschbenzin die Haut stark und kann Reizungen oder Risse verursachen. Tragen Sie beim Arbeiten immer lösungsmittelbeständige Schutzhandschuhe (zum Beispiel aus Nitrilkautschuk).
Wichtig:
Lappen mit Waschbenzin können sich selbst entzünden. Zusammengeknüllte, getränkte Lappen entwickeln durch die Verdunstung Wärme. Lassen Sie benutzte Lappen deshalb immer ausgebreitet an der Luft trocknen, bevor Sie sie entsorgen. Legen Sie sie nicht in geschlossene Behälter oder in den Hausmüll, solange sie noch feucht sind.
Waschbenzin richtig lagern und entsorgen
Bewahren Sie Waschbenzin immer im Originalbehälter auf, fest verschlossen und an einem kühlen, gut belüfteten Ort. Halten Sie es fern von Wärmequellen, Sonneneinstrahlung und Zündquellen. Ideal ist ein verschließbarer Schrank in der Garage oder im Keller – nicht in der Küche oder im Badezimmer und natürlich nicht in Reichweite von Kindern.
Reste von Waschbenzin gehören weder in den Hausmüll noch in den Ausguss oder die Kanalisation. Waschbenzin ist als Gefahrstoff über die Schadstoffsammlung Ihrer Gemeinde oder den Wertstoffhof zu entsorgen. Auch leere Behälter, in denen noch Reste haften, sollten über diesen Weg entsorgt werden.
Umweltfreundlichere Alternativen ausprobieren
Waschbenzin ist ein Erdölprodukt und belastet die Umwelt. Laut Sicherheitsdatenblatt ist es giftig für Wasserorganismen und kann in Gewässern langfristig schädliche Wirkungen haben. Greifen Sie deshalb nur dann zum Waschbenzin, wenn mildere Mittel nicht ausreichen. Für viele Flecken gibt es gute Alternativen:
- Gallseife ist ein bewährtes Hausmittel gegen Fett-, Öl-, Obst- und Blutflecken auf Textilien. Sie wird angefeuchtet, auf den Fleck gerieben und nach kurzer Einwirkzeit ausgewaschen. Bei den meisten Alltagsflecken reicht Gallseife vollkommen aus.
- Kernseife wirkt ähnlich fettlösend und eignet sich besonders für Kragenschmutz und leichtere Fettflecken.
- Backpulver oder Natron helfen bei Blutflecken und vielen organischen Verschmutzungen. Einfach mit etwas Wasser zu einer Paste anrühren, auf den Fleck auftragen und einwirken lassen.
- Waschsoda ist ein vielseitiger Fettlöser und eignet sich in einer wässrigen Lösung für die Reinigung von Oberflächen, Textilien und sogar verstopften Abflüssen.
Erst wenn diese milderen Mittel nicht zum gewünschten Ergebnis führen, ist der Griff zum Waschbenzin sinnvoll – dann aber sparsam dosiert und mit den nötigen Vorsichtsmaßnahmen.
Anmerkung der Redaktion:
Wir haben Waschbenzin mal zur Entfernung von Aufklebern ausprobiert. Das hat gut funktioniert. Zur Fleckenentfernung nutzen wir lieber umweltfreundlichere Alternativen wie Gallseife.
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