Wer als gesetzlich Versicherter einen Facharzttermin braucht, muss oft viel Geduld mitbringen. Eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse zeigt, wie groß das Problem tatsächlich ist – und was sich ändern soll.

Mehr als jeder Zweite wartet länger als vier Wochen

Die Zahlen sind ernüchternd: 56 Prozent der gesetzlich Versicherten warten länger als vier Wochen auf einen Facharzttermin. 35 Prozent müssen sogar mehrere Monate auf eine Behandlung warten. Nur acht Prozent bekommen innerhalb weniger Tage einen Termin, 13 Prozent innerhalb von zwei Wochen und 20 Prozent in bis zu vier Wochen.
Deutlich besser sieht es beim Hausarzt aus: 74 Prozent der Versicherten erhalten hier bereits innerhalb weniger Tage einen Termin. Weitere 14 Prozent warten bis zu zwei Wochen.

Was soll sich ändern?

TK-Chef Dr. Jens Baas sieht in den langen Wartezeiten ein Symptom für grundlegende Probleme im ambulanten Gesundheitssystem. Es fehle an klaren Anlaufstellen und strukturierten Behandlungswegen. Viele Patienten warteten lange, ohne sicher zu sein, ob sie überhaupt an der richtigen Stelle gelandet sind.

Die Bundesregierung plant deshalb ein sogenanntes Primärversorgungssystem. Die TK begrüßt den Ansatz und fordert dabei vor allem zwei Maßnahmen:

  • Verbindliche Ersteinschätzung: Ein einheitliches Tool soll Patienten auf Basis ihrer Beschwerden direkt in die passende Versorgung leiten – ob das nun ein zeitnaher Haus- oder Facharzttermin, eine Videosprechstunde oder erst einmal Bettruhe ist. Entscheidend ist laut Baas, dass bei gleichen Symptomen immer die gleiche Empfehlung herauskommt – egal ob die Einschätzung digital per App, telefonisch oder in der Praxis erfolgt.
  • Einheitliche digitale Terminplattform: Arztpraxen sollen ein festes Kontingent an freien Terminen für Kassenpatienten auf einer zentralen Plattform melden. Bisher gebe es zwar verschiedene Terminvermittlungs-Tools, aber keine einheitlichen Standards. Die Terminvergabe soll sich künftig ausschließlich nach der medizinischen Dringlichkeit richten.

Direkter Zugang zum Facharzt soll möglich bleiben

Wichtig: Auch in einem neuen Primärversorgungssystem soll es Patienten bei Bedarf weiterhin möglich sein, direkt zum Facharzt zu gehen. Denn wenn Hausarztpraxen plötzlich als Pflicht-Zwischenstopp dienen, könnten dort neue Engpässe entstehen. Die Ersteinschätzung soll vielmehr dafür sorgen, dass Patienten, denen beim Hausarzt gut geholfen werden kann, auch dort behandelt werden – und nicht unnötig auf einen Facharzttermin warten.
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