Immer mehr Verbraucher in Deutschland sind von Energiesperren betroffen. Wie der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) mitteilt, wurden im Jahr 2025 über 1.700 Beschwerden zu Strom- und Gassperren registriert - ein Anstieg von 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Vergleich zu 2023 haben sich die Beschwerden sogar mehr als verdoppelt.

Besonders problematisch: Wer einmal gesperrt wird, muss mit erheblichen Zusatzkosten rechnen. Das trifft gerade die Haushalte, die ohnehin knapp bei Kasse sind.

Sperr- und Entsperrkosten von bis zu 315 Euro

Der vzbv hat die Preislisten von 58 Energienetzbetreibern ausgewertet. Die Kosten für eine Sperrung und anschließende Entsperrung fallen dabei sehr unterschiedlich aus. Beim Strom zahlen Betroffene im Schnitt 145 Euro, wobei die Spanne von 92 bis 231 Euro reicht. Beim Gas liegt der Durchschnitt sogar bei 168 Euro - im teuersten Fall werden 315 Euro fällig.

Noch teurer wird es, wenn die Entsperrung außerhalb der Geschäftszeiten erfolgen muss. Beim Gas fallen dann durchschnittlich 181 Euro an, beim Strom 146 Euro. Selbst ein erfolgloser Sperrversuch kostet die Betroffenen im Schnitt 61 Euro. Und wer die Sperrung erst am selben Tag absagt, muss mit rund 42 bis 46 Euro Stornogebühren rechnen.

⚠ Achtung

Wer seine Energierechnungen nicht bezahlen kann, sollte frühzeitig Kontakt zum Versorger aufnehmen und eine Ratenzahlung vereinbaren. Eine Energiesperre lässt sich oft noch abwenden, wenn man rechtzeitig handelt.

vzbv fordert besseren Schutz für Verbraucher

Florian Munder, Energieexperte beim vzbv, warnt vor einer gefährlichen Abwärtsspirale: Wer ohnehin mit steigenden Energiepreisen kämpft, gerate durch die zusätzlichen Sperr- und Entsperrkosten schnell in eine Überschuldung. Der Verband fordert deshalb umfassende gesetzliche Reformen.

Zu den zentralen Forderungen gehören längere Fristen zwischen Sperrandrohung und Durchführung, ein gesetzliches Wintermoratorium, das Energiesperren während der Heizperiode verbietet, sowie eine verbindliche Definition angemessener Kosten für Sperrungen. Außerdem soll der Sperrvorgang ruhen, sobald Betroffene eine anerkannte Schuldner- oder Verbraucherberatung einschalten.

Steigende Energiekosten als Hintergrund

Die wachsende Zahl der Energiesperren steht im Zusammenhang mit den in den vergangenen Jahren gestiegenen Energiepreisen. Für viele Haushalte sind die monatlichen Abschläge zu einer spürbaren Belastung geworden. Wer nach Möglichkeiten sucht, seine Energiekosten zu senken, findet bei uns Tipps zum Heizkosten sparen und Strom sparen. Schon kleine Änderungen können bares Geld sparen.

✓ Tipp

Prüfen Sie regelmäßig Ihren Energieverbrauch und vergleichen Sie die Tarife verschiedener Anbieter. Schon der Wechsel zu einem günstigeren Tarif kann mehrere Hundert Euro im Jahr einsparen.

Auch ein bewusster Umgang mit Strom und Gas hilft, die Kosten im Griff zu behalten. Wer etwa Standby-Geräte konsequent abschaltet, beim Wäsche waschen niedrigere Temperaturen nutzt und richtig lüftet, spart über das Jahr gerechnet spürbar Energie. Um die Finanzen immer im Blick zu haben, lohnt es sich ein Haushaltsbuch zu führen.

Wir selbst lesen jeden Monat am Ersten den Stromzähler ab und vergleichen den Verbrauch mit dem Vormonat und dem gleichen Monat im Vorjahr. Sobald die Zahlen auffällig abweichen, überlegen wir, was wir im Haushalt anders gemacht haben. Auf diese Weise finden wir meistens schnell heraus, wo sich Energie einsparen lässt.

ℹ Zur Untersuchung

Der Marktcheck des vzbv basiert auf der Untersuchung von 58 Energienetzbetreiber-Webseiten (je 29 für Strom und Gas), durchgeführt im Februar 2026. Die Beschwerdezahlen stammen aus der Beschwerdedatenbank aller 16 Verbraucherzentralen mit rund 200 Beratungsstellen bundesweit.

Quelle: Pressemitteilung des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) vom 4. August 2026

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