Was braucht man für die erste Wohnung?
Der Mietvertrag ist unterschrieben, der Schlüssel liegt bereit – und jetzt? Wer zum ersten Mal in eine eigene Wohnung zieht, merkt schnell, wie viele Dinge angeschafft werden müssen. Von der Matratze über den Kochtopf bis zum Staubsauger: Die Erstausstattung für die erste Wohnung kann schnell ins Geld gehen, wenn man ohne Plan einkauft. Mit einer guten Übersicht und etwas Strategie lässt sich der Start in den eigenen Haushalt aber deutlich günstiger gestalten, als viele denken. Wir zeigen Ihnen, was Sie wirklich brauchen, mit welchen Kosten Sie rechnen sollten und welche Finanzierungsmöglichkeiten es gibt.
Checkliste – Was gehört zur Erstausstattung?
Nicht alles muss sofort da sein. Konzentrieren Sie sich zunächst auf die Dinge, ohne die der Alltag nicht funktioniert, und ergänzen Sie nach und nach.
Küche
Der größte Posten bei der Erstausstattung ist fast immer die Küche. Wenn Ihre Wohnung keine Einbauküche hat, brauchen Sie mindestens ein Kochfeld oder einen Herd, einen Kühlschrank und eine Spüle. Dazu kommt die Grundausstattung an Geschirr und Kochzubehör:
- Töpfe (ein kleiner, ein großer) und zwei Pfannen
- Besteck, Teller, Tassen und Gläser (je 4 Stück reichen für den Anfang)
- Schneidebrett und ein gutes Küchenmesser
(Erfahren Sie bei uns welche Küchenmesser man wirklich braucht.) - Wasserkocher
- Kochlöffel, Pfannenwender, Dosenöffner, Sieb
- Geschirrtücher und Spülmittel
- Mülleimer und Müllbeutel
- Grundzutaten: Öl, Salz, Pfeffer, Nudeln, Reis, Gewürze
- Esstisch und Stühle (falls Platz vorhanden ist)
Kaffeemaschine, Toaster oder Mixer können warten – kaufen Sie diese Geräte erst, wenn das Budget es zulässt.
Schlafzimmer
- Bett mit Lattenrost und Matratze
(Tipps zur richtigen Auswahl finden Sie in unserem Artikel Gesunder Schlaf) - Bettlaken, Bettdecke und Kissen sowie Bettwäsche
- Kleiderschrank oder Kleiderstange mit Regal
- Vorhänge oder Rollo (damit Sie morgens nicht um fünf Uhr von der Sonne geweckt werden)
Sparen Sie bei der Matratze nicht am falschen Ende. Eine gute Matratze muss nicht teuer sein, aber sie sollte zu Ihnen passen. Viele Anbieter bieten Probezeiträume an, sodass Sie die Matratze zu Hause testen können.
Badezimmer
- Handtücher (mindestens zwei pro Person)
- Duschmatte
- WC-Bürste
- Duschvorhang mit Stange (falls keine Duschkabine vorhanden)
- Badezimmerspiegel (falls keiner vorhanden)
- Kleiner Badschrank oder Regal
Wohnzimmer
- Sofa oder eine bequeme Sitzgelegenheit
- Couchtisch
- Stehlampe oder Deckenlampe
- Vorhänge oder Rollos
Alles andere – Regale, Sideboard, Fernseher – hat Zeit und lässt sich nach und nach anschaffen.
Putzen und Haushalt
- Staubsauger
- Eimer, Wischmopp oder Bodentücher
- Handfeger mit Kehrblech
- Besen
- Allzweckreiniger und WC-Reiniger
- Wäscheständer (oder Zugang zu einem Trockner)
- Wäschekorb
- evtl. Bügeleisen und Bügelbrett
Wer keine Waschmaschine in der Wohnung braucht, weil ein Gemeinschaftswaschraum vorhanden ist, spart sich eine der teuersten Anschaffungen.
Werkzeug
- Maßband
- Hammer
- Schraubendreher (Kreuz und Schlitz)
- Zange
- Dübel und Schrauben
- Kleine Wasserwaage
- Klebeband
Ohne Werkzeug hängt kein Regal und kein Bild.
Aus dem Jugendzimmer mitnehmen
Bevor Sie anfangen, Einkaufslisten zu schreiben: Schauen Sie zuerst, was Sie aus Ihrem bisherigen Zimmer mitnehmen können. Schreibtisch, Regal, Schreibtischlampe, Kleiderschrank, Bett, Bettwäsche – vieles davon ist schon da und muss nicht neu gekauft werden. Auch wenn die alten Möbel nicht mehr dem eigenen Geschmack entsprechen: Für den Anfang tun sie ihren Dienst, und austauschen können Sie später immer noch.
Was kostet die Erstausstattung?
Die Kosten hängen stark davon ab, ob Sie alles neu kaufen oder auf Gebrauchtes und Geschenke setzen. Wer eine komplett leere Wohnung von Grund auf einrichtet und alles neu kauft, sollte für eine kleine Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnung mit etwa 3.000 bis 5.000 Euro rechnen. Das klingt nach viel – und ist es auch. Die gute Nachricht: Mit gebrauchten Möbeln und Geräten lässt sich die Summe auf etwa 1.000 bis 2.500 Euro drücken.
Die folgende Aufstellung gibt Ihnen eine grobe Orientierung für die wichtigsten Posten:
- Küche
(Küchenzeile mit Herd und Kühlschrank, Geschirr, Besteck, Töpfe):
800 – 2.000 € neu, ab ca. 300 € gebraucht - Schlafzimmer
(Bett mit Lattenrost und Matratze, Bettwäsche, Kleiderschrank):
500 – 1.500 € neu, ab ca. 200 € gebraucht - Wohnzimmer
(Sofa, Tisch, Lampen):
300 – 1.000 € neu, ab ca. 100 € gebraucht - Bad
(Handtücher, Duschvorhang, Kleinmöbel):
50 – 150 € - Haushaltsgeräte und Putzzeug
(Staubsauger, Waschmaschine, Reinigungsmittel, Werkzeug):
300 – 800 € neu, ab ca. 100 € gebraucht
Diese Zahlen beziehen sich auf das untere bis mittlere Preissegment. Nach oben sind die Grenzen natürlich offen. Planen Sie außerdem einen Puffer für Kleinigkeiten ein, die man beim ersten Durchgang vergisst: Verlängerungskabel, Kleiderbügel, Mülleimer, Garderobenleiste – solche Dinge summieren sich schnell auf 100 bis 200 Euro.
Neben der Erstausstattung kommen weitere einmalige Kosten auf Sie zu: Die Mietkaution beträgt in der Regel bis zu drei Nettokaltmieten. Bei einer Kaltmiete von 500 Euro sind das bis zu 1.500 Euro, die Sie vor dem Einzug aufbringen müssen. Hinzu kommen Umzugskosten (Transporter, Kartons) und eventuell Renovierungskosten.
Erstausstattung finanzieren – diese Möglichkeiten gibt es
Nicht jeder hat mehrere Tausend Euro auf der hohen Kante, wenn der Umzug in die erste eigene Wohnung ansteht. Zum Glück gibt es verschiedene Wege, die Erstausstattung zu finanzieren – oder die Kosten so weit zu senken, dass es auch mit kleinem Budget klappt.
Gebraucht kaufen und geschenkt bekommen
Der wirksamste Hebel ist, möglichst wenig neu zu kaufen. Auf Kleinanzeigenportalen, Flohmärkten, in Sozialkaufhäusern und über lokale Verschenk-Gruppen in sozialen Netzwerken finden sich Möbel und Haushaltsgeräte für kleines Geld oder sogar kostenlos. Gerade bei Möbeln ist Gebrauchtes oft sogar besser als Neuware aus dem untersten Preissegment: Ein massiver Holztisch vom Flohmarkt hält länger als ein günstiges Modell aus Pressspan.
Fragen Sie auch in der Familie und im Freundeskreis. Eltern, Großeltern und Bekannte haben oft Geschirr, Bettwäsche, Töpfe oder kleine Möbelstücke übrig, die sie nicht mehr brauchen. Gerade wenn mehrere Leute gleichzeitig an Sie denken, kommt da einiges zusammen.
Erstausstattung über das Jobcenter (Bürgergeld)
Wer Bürgergeld bezieht oder ein sehr geringes Einkommen hat, kann beim Jobcenter einen Antrag auf Erstausstattung nach § 24 Abs. 3 SGB II stellen. Die Leistung wird als Pauschale oder in Form von Gutscheinen gewährt, muss nicht zurückgezahlt werden und liegt je nach Region meist zwischen 800 und 1.800 Euro. Anspruch besteht bei der Neugründung eines Haushalts, also etwa beim erstmaligen Auszug aus dem Elternhaus. Stellen Sie den Antrag möglichst vor dem Einzug.
Studienstarthilfe für Studienanfänger
Studienanfänger unter 25 Jahren aus einkommensschwachen Haushalten können einmalig 1.000 Euro Studienstarthilfe beantragen. Der Zuschuss muss nicht zurückgezahlt werden und lässt sich auch für die Einrichtung der Wohnung oder die Mietkaution verwenden. Beantragt wird er online, spätestens bis zum Ende des Monats, der auf den Studienbeginn folgt.
Familie und Unterhalt
Solange Sie sich noch in der Ausbildung oder im Studium befinden, sind Ihre Eltern unterhaltspflichtig. Falls möglich, können Sie mit Ihren Eltern vereinbaren, dass das Kindergeld direkt an Sie ausgezahlt wird. Es beträgt derzeit 259 Euro pro Monat (Stand: 2026) und kann gerade in den ersten Monaten helfen, die Erstausstattung zu finanzieren.
Ratenkauf und Kleinkredit
Wenn die Ersparnisse nicht reichen und staatliche Unterstützung nicht in Frage kommt, kann ein Kleinkredit eine sinnvolle Möglichkeit sein, die Erstausstattung zu finanzieren. Viele Banken und Online-Kreditplattformen bieten Kleinkredite ab wenigen Hundert Euro an, die sich in überschaubaren monatlichen Raten zurückzahlen lassen. Für eine Erstausstattung bewegen sich die benötigten Summen meist zwischen 1.000 und 3.000 Euro – ein Bereich, in dem Kleinkredite mit kurzen Laufzeiten besonders günstig sein können.
Vergleichen Sie vor dem Abschluss unbedingt die Konditionen verschiedener Anbieter. Der wichtigste Vergleichswert ist der effektive Jahreszins, weil er alle Kosten des Kredits in einer einzigen Zahl zusammenfasst. Achten Sie darauf, eine Laufzeit zu wählen, bei der die monatliche Rate bequem in Ihr Budget passt – lieber eine etwas längere Laufzeit als eine Rate, bei der es am Monatsende eng wird.
Viele Möbelhäuser und Elektronikgeschäfte bieten außerdem Ratenzahlung direkt beim Kauf an, manchmal sogar mit einer 0-Prozent-Finanzierung. Das klingt verlockend, lohnt sich aber nur, wenn Sie den Gesamtpreis im Blick behalten und nicht mehr kaufen, als Sie eigentlich geplant haben. Vermeiden Sie es dagegen, die Erstausstattung über den Dispositionskredit Ihres Girokontos zu finanzieren. Die Zinsen beim Dispo liegen oft bei 10 Prozent und mehr – deutlich teurer als ein normaler Ratenkredit.
Typische Fehler bei der Erstausstattung
Alles auf einmal kaufen
Ein häufiger Fehler: Am ersten Wochenende durch das Möbelhaus ziehen und die komplette Wohnung auf einen Schlag einrichten. Das belastet das Budget unnötig und führt dazu, dass man Dinge kauft, die sich in der Praxis als überflüssig herausstellen. Kaufen Sie zuerst das, was Sie zum Schlafen, Kochen und Sauberhalten der Wohnung brauchen. Alles andere hat Zeit.
Billig statt günstig
Es gibt einen Unterschied zwischen günstig und billig. Eine Matratze für 50 Euro, die nach drei Monaten durchgelegen ist, kostet am Ende mehr als eine für 200 Euro, die fünf Jahre hält. Das gilt besonders für Dinge, die täglich beansprucht werden: Matratze, Staubsauger, Töpfe. Bei Deko, Regalen oder dem Couchtisch darf es dagegen ruhig das günstigste Modell sein.
Maße nicht vorher nehmen
Das Sofa sieht im Laden gut aus – passt aber nicht durch die Wohnungstür. Der Kleiderschrank steht, blockiert aber das Fenster. Messen Sie Ihre Räume, Türen und Treppenhäuser vorher genau aus und nehmen Sie die Maße zum Einkauf mit. Das erspart Ihnen Rückgaben, Ärger und unnötige Transportkosten.
Dinge anschaffen, die man auch anders lösen kann
Nicht für alles brauchen Sie ein eigenes Gerät. Wenn im Haus eine Gemeinschaftswaschmaschine vorhanden ist, sparen Sie sich die eigene. Werkzeug lässt sich für einzelne Projekte leihen. Und manche Dinge kann man sich mit Nachbarn oder Mitbewohnern teilen – etwa einen Staubsauger im Mehrfamilienhaus oder den Wäscheständer im gemeinsamen Trockenraum.
Nicht vergessen: Versicherungen für die erste Wohnung
Neben der Einrichtung und der monatlichen Miete sollten Sie zwei Versicherungen einplanen, die oft übersehen werden: eine private Haftpflichtversicherung und eine Hausratversicherung.
Die private Haftpflichtversicherung ist die wichtigste Versicherung überhaupt. Sie schützt Sie, wenn Sie versehentlich fremdes Eigentum beschädigen oder jemand anderen verletzen – etwa durch einen Wasserschaden, der die Wohnung unter Ihnen trifft. Solange Sie sich noch in der Ausbildung oder im Studium befinden, sind Sie oft über Ihre Eltern mitversichert. Prüfen Sie das unbedingt, bevor Sie eine eigene Police abschließen. Andernfalls gibt es gute Tarife bereits ab etwa 3 bis 5 Euro im Monat.
Die Hausratversicherung ersetzt Schäden an Ihrem Eigentum, die durch Einbruch, Feuer, Leitungswasser oder Sturm entstehen. Gerade wenn Sie sich Ihre Einrichtung mühsam zusammengespart haben, kann eine solche Versicherung im Schadensfall viel Geld und Ärger sparen. Günstige Tarife beginnen bei rund 30 bis 50 Euro im Jahr. Ob sich die Versicherung lohnt, hängt vom Wert Ihres Hausrats ab – bei einer günstigen Erstausstattung aus Gebrauchtmöbeln können Sie die Entscheidung auch auf später verschieben, wenn sich nach und nach mehr angesammelt hat.
Weiterführende Informationen und Quellenangaben:
- Die AOK hat einige Tipps für einen stressfreien Umzug in die erste eigene Wohnung zusammengestellt:
https://www.aok.de/…/die-erste-wohnung-checkliste-und-hilfreiche-tipps/ - Wenn Sie die Erstausstattung über einen Kredit finanzieren möchten, können Sie z.B. mit dem Kreditrechner von easycredit die monatliche Belastung ausrechnen:
https://www.easycredit.de/kredit/kreditrechner - Die Bundesagentur für Arbeit informiert auf ihrer Webseite welche Kosten für Unterkunft und Heizung das Amt übernimmt, wenn Sie Bürgergeld beziehen:
https://www.arbeitsagentur.de/arbeitslos-arbeit-finden/buergergeld/wohnen
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