Produktrückrufe: Information der Verbraucher hat für viele Händler keine Priorität

Produktrückrufe müssen besser gekennzeichnet werden

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Müssen Händler Lebensmittel zurückrufen, bekommen Verbraucher das oft gar nicht mit. Kleine Zettel an der Kasse oder im Ausgangsbereich stellen oft die einzige Information im Geschäft dar. Diese Aushänge sind schnell übersehen und so erfahren viele Kunden gar nicht, dass für bestimmte Produkte aufgrund von Verunreinigungen oder Produktionsfehlern Rückrufaktionen laufen.
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Jeder Händler informiert anders

Derartige Rückrufaktionen haben für Handelsketten keine Priorität. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Verbraucherzentrale Hamburg, foodwatch und der Rückrufportale Produktrückrufe.de und Produktwarnung.eu. Die Verbraucherschützer haben 35 Handelsunternehmen zu ihrer Informationspolitik bei Produktrückrufen befragt.

Ganze 66 Prozent der Händler haben auf die Nachfragen erst gar nicht geantwortet. Die Angaben der weiteren Händler lassen erkennen: Bei Produktrückrufen besteht wenig Einheitlichkeit. Plakate werden an unterschiedlichen Stellen im Laden platziert, häufig sind sie unauffällig und schlecht zu erkennen. Zudem unterscheiden sich die Meldungen bei einigen Händlern abhängig davon, ob es sich um Eigen- oder Fremdmarken handelt.

Soziale Medien und E-Mail-Newsletter nutzen nur wenige der befragten Händler, um ihre Kunden über Rückrufaktionen zu informieren. Aldi und Lidl bieten immerhin eine App an, die auch Produktrückrufe meldet. Zu den wenigen Händlern, die Rückrufaktionen im Newsletter publizieren, gehört dm.

Verbraucherschützer fordern einheitliche Kommunikation

Viele Handelsketten halten lediglich die gesetzlichen Mindeststandards ein. Die gesetzlichen Vorgaben lassen den Händlern allerdings viel Freiheit dabei, wie sie die Produktrückrufe gestalten. § 6 Produktsicherheitsgesetz sieht lediglich vor, dass Rückrufaktionen „angemessen und wirksam“ durchgeführt werden.

Die Verbraucherschützer fordern eine einheitliche Kommunikation von Rückrufaktionen. Plakate sollten sich zum Beispiel durch ein stets gleiches Layout auszeichnen und am gleichen Platz aufgehängt werden. Das erhöht den Wiedererkennungswert. Lidl, dm und die Bünting-Gruppe sprechen sich in der Umfrage ebenfalls für einheitliche gesetzliche Standards aus.

Wer sich zurzeit über Produktrückrufe informieren möchte, sollte vor allem im Kassen- und Eingangsbereich der Geschäfte die Augen offen halten und auf Aushänge achten. Die genannten Verbraucherschutzportale informieren ebenfalls über aktuelle Produktwarnungen.

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