Öko-Test: Pestizide in der Erdbeermarmelade

Erdbeermarmelade im Test 2020

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Foto: © Zerbor

Zum Frühstück ein frisches Brötchen und fruchtige Erdbeermarmelade: So beginnt für viele der ideale Start in den Tag. Die meisten Verbraucher greifen dabei auf fertig gekaufte Erdbeermarmelade zurück. Öko-Test hat für die Mai-Ausgabe des Verbrauchermagazins 20 solcher Produkte getestet. In mehr als der Hälfte der geprüften Erdbeermarmeladen fanden die Tester Rückstände von Pestiziden.

Marmelade, Konfitüre, Fruchtaufstrich – was ist was?

Laut EU-Konfitürenverordnung dürfen sich eigentlich nur Fruchtaufstriche aus Zitrusfrüchten „Marmelade“ nennen. Streng gesehen ist die Erdbeermarmelade also gar keine Marmelade. So genau nimmt das im Alltagsgebrauch aber kaum jemand. Im Handel heißen Fruchtaufstriche aus Erdbeeren allerdings Konfitüre oder ganz allgemein Fruchtaufstrich. Der Unterschied: Konfitüre muss einen Gesamtzuckergehalt von mindestens 55 Prozent und einen Fruchtgehalt von 35 Prozent aufweisen. Für Konfitüre Extra ist ein Fruchtanteil von 45 Prozent vorgeschrieben. Fruchtaufstriche fallen nicht unter die Vorgaben der Konfitürenverordnung. Sie weisen daher oft einen höheren Fruchtanteil auf.

Die Testsieger: Nur Bio-Produkte sind „sehr gut“

Insgesamt fünf Mal vergibt Öko-Test im Erdbeermarmeladen-Test die Note „sehr gut“. Die Bestnote geht ausschließlich an Bio-Produkte, darunter die Fruchtaufstriche von Dennree, Allos und Zwergenwiese. Das hat zwei Gründe: In der Bio-Landwirtschaft ist der Einsatz von Pestiziden verboten. Außerdem ist der Zuckergehalt in den Bio-Produkten geringer als in den Aufstrichen mit Erdbeeren aus konventioneller Landwirtschaft.

Bis zu sechs unterschiedliche Pestizide in einer Marmelade

In fast allen anderen Erdbeer-Fruchtaufstrichen und Konfitüren haben die Tester Rückstände von mindestens einem Pestizid gefunden. Die Erdbeer-Konfitüre von Aldi Nord enthielt sogar vier verschiedene Pestizide, das Produkt von Lidl wies Rückstände von sechs verschiedenen Pestiziden auf. Zwar liegen die Mengen in allen Fällen unter den gesetzlichen Grenzwerten, diese Grenze gilt jedoch nur für ein Pestizid. Enthalten die Fruchtaufstriche Rückstände von mehreren Pestiziden, könnte sich das dennoch negativ auf die Gesundheit auswirken. Das im Aufstrich von Schwartau Samt enthaltene Pestizid Tebuconazol steht sogar im Verdacht, ungeborene Kinder im Mutterleib zu schädigen.

Hoher Zuckeranteil und lange Transportwege

Öko-Test kritisiert außerdem den hohen Zuckeranteil bei vielen Sorten. Einige der konventionell hergestellten Produkte enthalten mehr als 15 Gramm Zucker pro Portion. Mit einer 30-Gramm-Portion vieler Konfitüren nimmt ein Erwachsener bereits mehr als die Hälfte der von der WHO empfohlenen täglichen Zuckermenge auf. Ein weiterer Kritikpunkt sind die langen Transportwege, die Erdbeeren zurücklegen müssen, bevor sie in der Marmelade landen. Um den hohen Bedarf zu decken, stammen die Früchte nämlich meist aus dem Ausland, etwa aus der Türkei, Marokko oder Ägypten. Woher die Erdbeeren im Aufstrich genau kommen, lässt sich für den Verbraucher nicht erkennen. Eine entsprechende Angabe fehlt nämlich auf den Gläsern.
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