Grüner Knopf: Staatliches Siegel für ökologische und fair gehandelte Textilien

Zeitung auf einem Tisch
Foto: © Zerbor

Für Lebensmittel aus biologischem Anbau und fairem Handel gibt es eine ganze Reihe an Siegeln. Aber wie erkennen Verbraucher eigentlich ökologisch hergestellte und fair gehandelte Kleidung? Entwicklungsminister Gerd Müller will das Shopping mit gutem Gewissen leichter machen. Ab September soll das staatliche Textilsiegel „Grüner Knopf“ Textilien auszeichnen, die nach höheren sozialen und ökologischen Standards gefertigt wurden.

Staatliches Textilsiegel kommt ab September

Am 9. September 2019 möchte Müller das Textilsiegel offiziell vorstellen. Unternehmen können die Auszeichnung mit dem Siegel ab sofort beantragen. Laut Bundesentwicklungsministerium (BMZ) haben sich schon mehrere Dutzend Firmen um das Siegel beworben, darunter sowohl große als auch kleinere Textilhändler. Um das Siegel zu erhalten, müssen die Firmen anhand von 20 Kriterien nachweisen, dass sie ihre Sorgfaltspflicht gegenüber den Mitarbeitern in den Zulieferbetrieben erfüllen. Unter anderem muss es einen Beschwerdemechanismus geben, mit dem Arbeiter aus Zulieferfabriken im Ausland ihre Sorgen beim deutschen Mutterkonzern vorbringen können.

Darüber hinaus müssen 26 Produktkriterien eingehalten werden. So ist zum Beispiel der Einsatz bestimmter Chemikalien verboten, Zulieferbetriebe müssen sich an gesetzliche Arbeitszeiten halten und den jeweiligen gesetzlichen Mindestlohn zahlen. Als Grundlage dienen die Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte der Vereinten Nationen. Zum Nachweis über die Einhaltung dieser Kriterien können Firmen bereits erhaltene Sozial- und Öko-Siegel privater Organisationen vorlegen. Unabhängige Institutionen wie der TÜV sollen außerdem prüfen, ob die Konzerne sich an die Vorgaben halten. Die staatliche Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS) soll glaubwürdige Prüfungen sicherstellen.

Einführungsphase bis Juni 2021

Die Einführungsphase soll bis Ende Juni 2021 dauern. Bis dahin müssen die Hersteller die geforderten Kriterien nur in den letzten beiden Produktionsphasen erfüllen, beim Färben und Nähen der Stoffe. Anschließend sollen die Anforderungen auch auf frühere Produktionsschritte ausgedehnt werden. Mit dem „Grünen Knopf“ soll nicht nur Kleidung ausgezeichnet werden, auch Teppiche, Gardinen, Taschen und weitere Textilprodukte können das Siegel tragen.

Kritik am Siegel kommt von der Kampagne für Saubere Kleidung. Diese bemängelt unter anderem, dass die Zertifizierung nur auf freiwilliger Basis erfolgt. Die Textil- und Modeindustrie lehnt das Siegel dagegen ab. Das Konzept sei zu unausgegoren und zu bürokratisch.
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