Geschlechtserkennung im Ei: Erste Eier ohne Kükenschreddern bei Rewe und Penny

Zeitung auf einem Tisch
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Etwa 45 Millionen männliche Küken sterben in Deutschland direkt nach dem Schlüpfen. Sie werden getötet und geschreddert, da sie als „Bruderhähne“ der Legehennen keine Eier legen und sich auch nicht als Mastgeflügel einsetzen lassen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) bemüht sich seit Jahren, eine Alternative zu dieser Praxis zu finden. Fünf Millionen Euro investierte das BMEL in die Entwicklung eines Verfahrens, mit dem sich das Geschlecht der Küken bereits im Brut-Ei erkennen lässt.

Geschlechtsbestimmung im Ei

Wissenschaftlern der Universität Leipzig ist nun ein Durchbruch gelungen. Seleggt nennt sich das Verfahren, ein Wortspiel aus den englischen Begriffen „select“ für „auswählen“ und „egg“ für „Ei“. Genauso heißt auch die Firma, die das Verfahren bereits einsetzt. Für die Geschlechtsbestimmung im Ei wird über ein winziges Loch in der Eierschale eine Probe entnommen. Bestimmte Hormone in der Probe weisen dann darauf hin, ob das Ei ein weibliches oder ein männliches Küken enthält. Eier mit männlichen Küken werden nicht weiter bebrütet, sondern zu Tierfutter verarbeitet. Es schlüpfen nur Legehennen.

Erste „RespEGGt“-Eier im Handel

Seleggt ist ein Tochterunternehmen der Rewe-Gruppe. In 223 Rewe- und Penny-Märkten gibt es ab sofort auch die ersten Freiland-Eier zu kaufen, die unter Einsatz des neuen Verfahrens bebrütet wurden und für die keine männlichen Küken sterben mussten. Die Eier erkennen Verbraucher an der Kennzeichnung „RespEGGt“ auf der Verpackung. Auch jedes einzelne Ei trägt einen „RespEGGt“-Stempel. Wesentlich teurer als gewöhnliche Eier aus Freilandhaltung sind die „RespEGGt“-Eier nicht: Ein Sechserpack kostet etwa 10 Cent mehr.

Kritik aus der Geflügelwirtschaft und von Tierschützern

Serienreif ist das Seleggt-Verfahren allerdings noch nicht und kommt daher noch nicht flächendeckend zum Einsatz. Kritik gibt es von der Geflügelwirtschaft, die sich ein schnelleres und praxistauglicheres System wünscht. Auch Tierschützer sehen in dem Verfahren keinen Beitrag zu einer verantwortungsvollen Tierzucht. Laut BUND müsse die Geflügelwirtschaft darauf hinarbeiten, dass Hühnerrassen sowohl für die Eier- als auch zur Fleischproduktion eingesetzt werden können. So ließe sich das Aussortieren männlicher Küken ganz verhindern.
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