Ist ein Tagebuch ein Lifestyle-Objekt?

Zum Tag des Tagebuches

Man möchte meinen, das Füllen leerer Seiten eines Notizbuches mit Gedanken und Erlebnissen gehöre längst vergangener Tage an. Doch weit gefehlt: am 12. Juni fand der „Tag des Tagebuches“ statt und dank Berichten in allen Medien wurde schnell klar, dass das Schreiben persönlicher Gedanken und Eindrücke aktueller ist denn je.

„Liebes Tagebuch…“

Dass Menschen dazu neigen, ihre Stimmungen und Gedanken schriftlich zu äußern, ist weithin bekannt. Während früher noch Mädchen in der Pubertät ein Tagebuch im stillen Kämmerchen für unerlässlich hielten, hat sich heute lediglich die Form des Tagebuches geändert. Immer aktuell und in Echtzeit teilen wir uns mit: per App, SMS, in Blogs, Onlinetagebüchern oder ganz simpel auf diversen sozialen Plattformen. Der Unterschied liegt vor allem darin, dass wir heute freiwillig unser „Tagebuch“ mehr oder weniger öffentlich führen, während noch vor wenigen Jahren ein Großteil der heimischen Literaten ihre Worte nur für sich privat verfassten.

Das Tagebuch als „Entschleuniger“

Wann haben Sie sich zuletzt einmal hingesetzt und sich Zeit dafür genommen, in Ruhe ihre Gedanken zu sortieren und handschriftlich niederzulegen? Diese Zeit für sich ist im stressigen Alltag eine Rarität geworden. In einem Tagebuch schreibt man allein für sich und ist oft ehrlicher und offener, als man es anderen gegenüber zugeben würde. Das gute Gefühl, leeren Seiten in einem Heft oder Notizbuch Leben einzuhauchen, gibt es gratis dazu. Ja, man kann also durchaus behaupten: das Tagebuch aus guten alten Zeiten hat sich heute wieder zum Lifestyle-Objekt gemausert!