Klöckner: Fleisch und Wurst müssen teurer werden

Zeitung auf einem Tisch
Foto: © Zerbor

Die Fleischindustrie steht derzeit in der Kritik. Corona-Ausbrüche in Großbetrieben haben den Blick auf die Konzerne und damit auch auf die Arbeitsbedingungen in den Schlachthöfen gelenkt. Die Politik geht nun der Frage nach, wie man sowohl die Bedingungen für Beschäftigte als auch das Tierwohl verbessern kann. Zu diesem Zweck traf sich am Freitag (26.06.2020) Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) mit Branchenvertretern und Verbrauchern zu einem „Fleischgipfel“. Unter anderem fordert Klöckner eine „Tierwohlabgabe“. Der Deutsche Gewerkschaftsverband kritisiert das Treffen als „Show-Veranstaltung“.

Klöckner fordert Tierwohlabgabe

Vertreter von Arbeitnehmern, aus der Land- und Ernährungswirtschaft, des Lebensmittelhandels und der Schlachtereien sowie Tierschützer, Veterinäre, Verbraucher und das Kartellamt waren zum „Fleischgipfel“ geladen. Veranstaltet wurde das Treffen von Klöckner sowie von den Landwirtschaftsministerinnen von Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, Ursula Heinen-Esser und Barbara Otte-Kinast (beide CDU). Thematisiert wurden Fleischpreise, Nutztierhaltung und Beschäftigungsbedingungen in den Schlachtereien.

Gegenüber der Presse bemängelte Klöckner unter anderem die Dumpingpreise für Fleisch. In kaum einem anderen europäischen Land seien Fleisch und Wurst so billig wie in Deutschland. Bei so günstigen Preisen blieben eine faire Bezahlung der Arbeiter, Gesundheitsschutz und Tierwohl allerdings auf der Strecke. Klöckner fordert daher eine Tierwohlabgabe. Die könnte zum Beispiel über eine höhere Mehrwertsteuer für Fleisch oder über eine Preisanhebung um 40 Cent pro Kilogramm erreicht werden. Fleisch solle zwar kein Luxusartikel für Reiche sein, so Klöckner, aber eben auch keine Ramschware.

DGB und Grüne kritisieren das Treffen

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Grünen äußerten bereits im Vorfeld Kritik am Treffen und bezeichneten es als „Show-Veranstaltung“. Laut Anja Piel vom DGB-Vorstand seien Vertreter der Beschäftigten erst in letzter Minute und auf Nachfragen eingeladen worden.

Um die Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie zu verbessern, möchte die Bundesregierung derweil ab dem 1. Januar 2021 Werkverträge verbieten. Ab dann sollen nur noch Angestellte des eigenen Betriebes Tiere schlachten und zerlegen dürfen. Problem dabei: Werkverträge gibt es nicht nur in der Fleischindustrie. Ein Verbot für einen einzelnen Wirtschaftszweig könnte sich als verfassungsrechtlich bedenklich erweisen. Erfahren Sie bei uns auch wie man Fleisch und Wurst lagern sollte. Was hilft gegen Fliegen?